Geschichte

Kurzer geschichtlicher Exkurs

In einer Urkunde Kaiser Ottos des Grossen taucht im Jahre 965 erstmals der Name 'Endiueld' auf. Der aus Feldzügen auf der italienischen Halbinsel zurückkehrende Monarch vergabte dem von Sarazenen schwer heimgesuchten Kloster Disentis verschiedene Güter, so auch den Königshof samt Kirchensatz zu Entfelden. Weil der Besitz für die Benediktiner von Mustair-Disentis allzu weit entfernt lag, wurde er weitergegeben. Irgendwann gelangte die weltliche Macht ans Haus Habsburg-Laufenburg.

Im Urbar von 1306 wird erwähnt, dass die Habsburger 'ze Nideren Entvelt' über das Hochgericht verfügten. 1312 geht Unterentfelden mit allen Rechten, als Twing und Bann, ausgenommen das Hochgericht, an den Aarauer Bürger Ulricht Trutmann über. 1411 tritt dessen Tochter Verena, Witwe Hermanns von Ifenthal, den Besitz an die Stadt Aarau ab, behält aber den Steckhof Roggenhausen für sich zurück.

Das Verhältnis zwischen Untertanen und neuem Herrn entwickelt sich keineswegs erfreulich. Mehrmals muss sich nach 1415 der Rat von Bern einschalten, um Streitigkeiten zwischen Unterentfelden und Aarau zu schlichten, vornehmlich wegen Wald- und Weidnutzung.

Der Steckhof Roggenhausen wird 1454 ans Stift Werd verkauf und gelangt 1527 an Aarau. Er verbleibt jedoch im Twing Unterentfelden.

Erst 1793, als eine genaue Grenzbereinigung erfolgt, kommen alle ehemaligen Unterentfelder Gebiete nördlich von Gönert und Distelberg nicht nur de facto sondern auch de jure zu Aarau, Gebiete, die sich die Stadt und deren Bürgernach und nach käuflich erworben hatten.

Die vielen Reibereien mit den Untertanen bewegten schliesslich 1576 die Aarauer, Twing und Bann zu Unterentfelden im Austausch gegen gewisse Anteile am Zoll zu Biberstein an die Stadt Bern zu verkaufen.

Bis 1547 ist in Unterentfelden keine Gaststätte erwähnt. Damals wird der Dorfschaft die Wirtschaft 'zum Eichhölzli' bewilligt, die 1669 zur Taverne erhoben wird und seit der Aargauer Kantonsgründung 'zum Bären' heisst. Dieses Haus war ehedem der Meierhof der Herrschaft gewesen.

Seit 1619 besteht in Unterentfelden eine Schule. Kirchgenössig blieb die Gemeinde bis 1959 in der Kirchhöri Suhr.

Während Jahrhunderten fristen die Einwohner von Unterentfelden ein bescheidenes Leben. Es gibt nur Kleinbauern und Tauner mit wenig Kleinvieh. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass in nicht weniger als 14 Strohdachhäusern je zwei Familien lebten. 1764 werden 60 Feuerstätten und 273 Seelen gezählt.

Die Ereignisse um den Untergang der alten Eidgenossenschaft hinterlassen kaum Spuren. Nach der Gründung des Kantons Aargau beginnt die Ablösung der Zehnten. 1819 wird das erste Schulhaus gebaut, 1835 die erste Poststelle eingerichtet, die 1845 zur Staatspostablage erhoben wird. Die Bevölkerung widmet sich der Landwirtschaft, beschäftigt sich zeitweilig auch mit dem Weben von Baumwolltüchern.

Die Vergrösserung der Aarauer Gewerbebetriebe und die Industrialisierung in der nahen Kantonshauptstadt verschaffen vielen Bewohnern Verdienstmöglichkeiten. Zahlreiche Familien aber wandern nach Übersee aus, wozu sie aus Armen- und Waldkasse unterstützt werden.

Die Bürgerschaft versucht das Dorf wohnlich zu gestalten: 1896 wird die Wasserversorgung erstellt; man beteiligt sich am Bau der Aarau-Schöftland-Bahn, verbessert auch die Landstrasse über den Distelberg. Der Bau des neuen Schulhauses 1910/11 stürzt die Gemeinde fast in den Bankrott, weshalb die Fusion mit Aarau angestrebt wird. Weil Aarau befürchtet, den Steuersatz erhöhen zu müssen, kommt die Eingemeidung nicht zustande.

Erst in den 50er Jahren gerät die Gemeinde in den allgemeinen Bauboom, denn der Südhang des Distelbergs wird mehr und mehr als hervorragende Wohnlage erkannt. Mit Güterregulierung, Bauordnung mit Zonenplan, generellem Kanalisationsprojekt werden infrastrukturelle Fragen angepackt und gelöst. Die Bemühungen, auch Industrie anzusiedeln, sind nur teilweise von Erfolg gekrönt. Es florieren dafür einige Handwerksbetriebe, die wenig Immissionen verursachen. Nach wie vor aber finden die Erwerbstätigen nur zu einem kleinen Teil ihr Auskommen im Dorf selber.

Im Jahre 1959 verhilft eine sorgfältige Gemeindebautenplanung zu einem grosszügigen Dorfkern, wo Schulhäuser, Turnhallen, Gemeindehaus, Kirchgemeindehaus mit Glockenturm und Pfarrhaus eine geschlossene Einheit bilden. Wenn auch die Bevölkerungszahl sich nicht optimistischen Prognosen gemäss vermehrt, so hat die Gemeinde ihre Infrastruktur doch laufend verbessert. Das beweist unter anderem der grosszügige Ausbau der Kantonsstrasse mit Eigentrassierung der WSB (Wynental-Suhrental-Bahn).

Behörde und Bevölkerung haben längst erkannt, dass sie nicht allein aller Probleme Herr werden können. So hat Unterentfelden sich zur regionalen Zusammenarbeit entschlossen, was mit dem Beitritt zu Abwasser- und Kehrichtverband, Bezirksaltersheim, Chronischkrankenheim sowie Grünverwertung dokumentiert ist. Mit Oberentfelden zusammen schafft die Gemeinde 1970 ein Frei- und Hallenbad. Zudem wird 1975 eine Alterssiedlung am Eichenweg erstellt. Im August 1978 ist das Bildungszentrum Unterentfelden mit Aargauischer Bau- und Wirtefachschule bezugsbereit, wo seit 1987 die Technikerschule TS integriert ist. 1976 kann mit Oberentfelden gemeinsam die Kreissekundarschule, 1978 die Kreisbezirksschule geschaffen werden. Ueberdies hat in Unterentfelden die Schweizerische Schwerhörigenschule 'Landenhof' seit 1876 ihren Sitz.

Eine Dreifachturnhalle bietet den Sportvereinen Entfaltungsmöglichkeiten. Anderseits bemühen sich verschiedene weitere Vereine um ein vielfältiges kulturelles Leben, so auch die 1966 gegründete gemeindeübergreifende Vereinigung Pro Endiveld.

Dorfchronik Unterentfelden

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